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AlltagsmomenteSamstag 18. Oktober 2008 23:19 Alter: 4 yrs
Rubrik: Semester Santiago
9 Uhr, die Sonne scheint, es ist warm draußen, vielleicht schon so um die 20 Grad - ich suche mir ein T-Shirt raus und schaue durch das Wohnzimmerfenster auf die Anden. Meine Gedanken schweifen über die Berge und stellen sich die Aussicht vor, die man auf Santiago hat, wenn sich die Straßen im Rechteckmuster vor den Füßen ausbreiten und die ganzen Sorgen, Nöte und Freuden einer 5-Millionen-Stadt vor dem luftigen Betrachter ausschütten. Gestern sind mir die Jogurths ausgegangen, jetzt bleibt nur noch ein "Nautur"-Joghurt für mein Müsli - leider habe ich mich da aber vergriffen, es hat nur Sabor Natural, der laut Verpackung aber genauso wie die echte Natur schmecken soll. Naja, macht nichts, ich gehe schnell vor die Türe in den Supermarkt um die Ecke, um diese Uhrzeit ist da noch nichts los. Fünf Minuten später sitze ich an meinem PC, das Müsli löffelnd und lege mir Musik auf. Meine neue Congreso-CD ist der absolute Hit, Chilenische Traditionsmusik gemischt mit fantastischen Klängeln und Instrumenten, deren Namen ist noch nicht mal kenne. Nur 1 neue Mail ist über Nacht angekommen - komisch, aber ein Blick in den Spam-Ordner sagt mir, dass auch dort keine hängen geblieben sind. Manchmal ist Google ja etwas eifrig, aber vielleicht ist heute heimlicher Feiertag in Deutschland? Ich klappe den Computer zu und bin ganz zufrieden, so sollte es morgens immer sein (naja, vielleicht nicht immer, aber...). 11 Uhr. Wir nähern uns dem Mercado Vegas, der größte Markt Santiagos. Menchen kommen uns entgegen, die ihre Errungenschaften in Kinderwagen, Einkaufswagen, Plastiktüten oder direkt im Arm tragen - die meisten über und über vollgepackt mit Früchten, Gemüse, Fleisch, Fisch, Haushaltsgegenständen, Nudeln und was man sonst noch alles kaufen kann. Wir gehen in die ersten engen und endlosen Gang, in dem sich das Licht duch die Dachfenster bricht und wunderbar warme Sonnenstrahlen die im Überfluss vorhandenen Obst- und Gemüseberge bescheint. Für viele der Dinge, die man hier kaufen kann, würde mir noch nicht mal in Deutschland ein Name einfallen. Wir kaufen ein Kilo Erdberen für 1,20 Euro, morgen gibt es Spargel, also schlagen wir noch beim frischen Grünen zu, für 1 Euro das Kilo. Wie viele Kartoffeln man wohl brauche für fünf Personen? Ich werde angehaleten von einem Verkäufer, der frische Kirschtomaten loswerden will, daneben gibt es Rosenkohl, Papaya und Wirsing. Paprika, Zwiebeln und Avokado türmen sich in Bergen vor den Ständen, ein Mann hackt mit Wucht die Stiele seiner gerade verkauften Artischocken ab - vier Stück ein Euro, aber es wird bestimmt noch ein bisschen gehandelt dort drüben. Ich schaue prüfend die Soßen an, die eine Frau in kleine Plastiksäcke abfüllt - leider kann ich kaum eine erkennen, wir beschließen, demnächst einen Dip-Abend zu machen und einfach von allem, was wir nicht kennen, etws zu kaufen. Heute haben wir getrocknete Melonen probiert. "Melonen sind wahrscheinlich auch das Einzige, was es hier nicht gibt", denke ich, während ich mir die aufgeschnittenen Kürbisse anschaue. Vollbepackt und ein bisschen hungrigt schieben wir uns durch die Gänge, auf der Suche nach dem nächsten Ausgang und der Metrostation. Ich nehme die Metro Richtung Parke Quinta Normal. Das Wetter ist einfach zu schön, meine Uni-Sachen habe ich im Rucksack, der etwas ausgebeult ist durch meine Errungenschaften. Der Hunger kommt wieder hoch, ich durchquere die moderne Metrostation und fahre die Rolltreppe hoch. Kein Laden weit und breit, ernüchtert gehe ich in den Park. Eine halbe Minute später, ich bin noch kaum 10 Schritt gegangen, ruft ein Mann durch ein Megafon "Emapandas, Empanadas calentitas..." - ich hatte vergessen, ich bin in Santiago. Hier gibt es immer jemanden, der etwas verkaufen will - also schnappe ich mir eine Empanada Pino und gehe gut gelaunt durch die Parkwege auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen. Es ist Samstag und überall spielen Kinder, liegen Paare auf dem Rasen, gehen Erwachsene in Gruppen durch den Park. Irgendwo entfernt höre ich Musik, eine bunt gemischt Gruppe junger und alter Musiker spielt Ska und es hat sich schon eine beachtliche Menschenansammlung gebildet. 16 Uhr. Eigentlich wollte ich mich ja nach Hause aufmachen, um noch bei den Vorbereitungen für die Geburtstagsparty meines Mitbewohners zu helfen, doch schon wieder bin ich hängen geblieben, diesmal bei einem Kindertheater. Die haben so lange mit ihrem Megafon Werbung gemacht, bis sie bestimmt 60 Kinder - und noch viel mehr Erwachsene - um sich sitzen hatten. Alle kringeln sich vor lachen und die Witze sind so einfach, dass sogar ich sie verstehe. Es ist ganz schön warm geworden inzwischen. Zuhause mache ich mir ein Erdbeershake, einen Fruchshaker hat hier eigentlich jeder. Jetzt sitze ich auf unserer Couch, trinke ganz Santiago in einem Beche und überlege mir, wer sich das alles heute für mich ausgedacht hat... | ||||
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