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Ein Festival ohne Bands, ein Strand ohne Sand und ein wunderschöner Tag

Sonntag 24. August 2008 04:22 Alter: 4 yrs
Rubrik: Semester Santiago

Von: Philipp

Unglaublich! Da kündigt die Studierendenvertretung (FEUC) der Universidad Católica de Chile in der Semana Universitaria (so etwas wie unser Dies Universitatis, nur besser) einen Ausflug zum Strand an. Offensichtlich ist das eine große Tradition und so meldeten wir uns für den Bus für Austauschstudenten an, bestens ausgerüstet mit den geforderten Alkoholmengen und dicken Pullis für einen frischen Tag im Winter am Strand. Was dann kam, war einfach unglaublich: Am Donnerstag war der ganze Campus voller Busse, und mit uns fuhren noch 32 weitere Busse zum Strand - über 1000 Studenten!

Erwartungsvoll fuhren wir der von Santiago ca. 80km entfernten Küste entgegen, durch Berge, die der Landschaft um Granada in Spanien ähneln. Unterwegs wurde fleißig "Latin American Ice-Cream" verkauft, wobei es sich um nichts anders handelte als den Versuch der Comision de Acogida (so etwas wie unser Studit, die sich einfach phantastisch um die Austauschstudis kümmern!), das Alkoholverbot im Bus zu umgehen, in dem sie Piscola (siehe letzte Email...) in gefrorenen Anteilen weitergaben. Das beste kommt aber noch: Der Bus wird langsamer, wir sehen schon erste geparkte Busse... und: Eine große grüne Wiese und weit und breit kein Meer! Da hatte die FEUC doch glatt eine riesengroße eingezäunte Wiese gemietet, mit Dixi-Klos, einer Bühne und einem Fahr-Vergnügungs-Gerat bestückt und ein paar Sicherheitskräfte außenrum gestellt - und das nennt sich dann Strand... 

Nach unserer ersten Enttäuschung (alle Austauschstudenten hatten sich natürlich auf den Pazifik gefreut) erklärte man uns, dass ich die Meute letztes Jahr am Strand so schlecht benommen hatte (und da waren es wohl über 50 Busse), dass es in Santiago schlechte Presse für die Uni gab und man sich für eine softere Variante entschieden hatte, in der man das Ungemach einiger hundert betrunkener Studenten kontrollieren konnte.

So negativ das jetzt alles klingt: Der Tag war am Ende wunderbar. Zwar ließ uns die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte, aber es war einfach toll, einen ganzen Tag zu faulenzen und sich mit lauter neuen Leuten unterhalten zu können. Dieses komische Gefühl resultierte vor allem aus der Kuriosität, so viele Leute so weit weg zu fahren, nur um sie dann auf einer großen Wiese abzustellen, die man auch in der Nähe von Santiago hätte haben können. Michael stellte treffend fest: es ist wie ein Festival, nur ohne Bands. Alles andere stimmte: Verpflegung, Alkohol, gemütliches Rumchillen, Tanzen, Musik... und am Ende sogar das Wetter, denn es wurde so warm, dass man sogar im T-Shirt und in kurzer Hose hätte rumlaufen können - hätte, wohlgemerkt, dann wir waren natürlich auf etwas anderes vorbereitet gewesen und von Sonnencreme war dann auch weit und breit keine Spur (für die wohlverdienten Leser im Familienkreis: Es ist aber zum Glück nichts passiert ;-). Dabei hatte ich doch sogar meine Badehose mitgenommen, um im Pazifik zu baden! 

Naja, ein versöhnliches Ende fand der Tag dann bei mir zu Hause, bei gemütlichem Abendessen mit Leuten, die ich vorher eigentlich gar nicht kannte und einem spanischen Gericht (das von einer Neuseeländerin zubereitet wurde, da sich die Chilenen alle als absolut kochuntauglich herausstellten). Über die Kochkünste, die chilenische (Un-)Selbstständigkeit, das ungebremste Vernügen für harten Alkohol (Pisco) und sonstige Kuriositäten der Chilenen werde ich euch demnächst berichten - das erfordert noch weitere Unversuchungen in der Realität und ist unter Laborbedingungen oder in der ökonometrischen Theorie nicht zu ermitteln...


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