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Hallo an die Welt ZuhauseSamstag 01. Oktober 2005 07:27 Alter: 7 yrs
Rubrik: Frankreich - EVS
Hier also für die meisten von euch das erste Lebenszeichen von mir aus dem tiefen Südwesten Frankreichs - soll heißen, ich bin mehr oder weniger gut angekommen ;-)... doch dazu später mehr. Ich weiß nicht, ob alle, die diese Email bekommen, sie auch wirklich haben wollen, aber ich nehme mal an, dass ich in diesem Fall schon rechtzeitig STOPP-Emails erhalten werde. Wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, werde ich in der nächsten Zeit öfters versuchen, mal ein Lebenszeichen dieser Art von mir zu lassen - obwohl mir durchaus bewusst ist, dass diese Massenmails nicht jedermanns Sache ist - aber ich kann das alles einfach nicht x-Fach schreiben. Aber keine Angst, wer mir zurückschreibt, bekommt auch eine Antwort - obwohl ich das nicht unbedingt erwarte, da mir durchaus bewusst ist, dass ich im Moment etwas mehr Zeit habe als der Rest der Welt... Wo soll ich anfangen? Welche dieser vielen hundert Eindrücke und Erlebnisse der vergangenen, ersten Woche interessieren? Vielleicht gehe ich einfach chronologisch vor, um das Chaos etwas zu ordnen... Die Anfahr am vergangenen Montag (26.9.05) war einigermaßen bescheiden, um es mal vorsichtig auszudrücken: Aus meiner umsichtig ausgearbeiteten Reiseplanung wurde leider nichts, da gleich mein erster Anschlusszug in Frankfurt satte 20 Minuten Verspätung hatte, wodurch ich meine Anschlusszüge in Frankfurt-Flughafen und Kölln natürlich verpasst habe. Endlich in Köln angekommen, musste ich dann satte 3 Stunden auf dem Bahnhof verbringen, da ich zum einen mit einer superschweren Reisetasche ohne Rollen (ein Fehler, ich weiß...) unbeweglich war und zweitens die nächsten beiden Züge nach Paris (Thalis, Belgisches Pendant zum franz. TGV) ausgebucht waren. Meinen Koffer hatte ich ja zum Glück mit der Post aufgegeben, und er ist auch nach 5 Tagen am vergangenen Freitag endlich angekommen - womit ich deutlich mehr Glück hatte als Victorija, meine Litauische Mitbewohnerin und Mit-SVE-lerin, deren Koffer beim Flugzeugwechsel ungewollt liegenblieb und sie nur mit Handgepäck eine Woche gewartet hat, bis man deln unbeschrifteten Koffer wiedergefunden hat... Naja, mein Anreise-Höhepunkt folgt ja noch: In Paris angekommen, musste ich in Paris mit der Metro den Bahnhof wechseln, was auch soweit, mal von meiner schweren Tasche abgesehen, eigentlich ganz gut geklappt hat - bis auf meinen letzten Umstiegpunkt in Paris-Massy von der Metro in den TGV, für den ich ganze 5 Minuten Zeit hatte... Unglüklicherweise gab es für Metro und TGV zwei völlig unterschiedliche Bahnhofsgebäude, sodass ich erst raus auf die Straße und nach dem Weg fragen musste. Dabei bin ich dann versehentlich in ein privates Bahn-Gelände gelaufen (da war halt ne offene Tür und das sah kürzer aus...), bis ich dann festestellen musste, dass das Geläunde eingezäunt ist und die Eingangstür in der Zwischenzeit hinter mir ins Schloss gefallen war... Ich also über den Zaun mit der Tasche (in der zu allem Unglück auch noch mein Laptop war...) und zum TGV-Bahnhof gekeucht, schon total verzweifelt, doch welch ein Glück, der TGV hatte Verspätung - sonst hätte das eine Übernachtung in der Pariser Vorstadt bedeutet. Naja, schließlich bin ich dann igendwann nach Mitternacht hier in St. Caprais angekommen. So, jetzt mal zu den erfreulichen Dingen: St. Caprais ist ein 2000-Einwohner-Dorf, das im Vergleich zu Deutschen Verhältnissen unglaublich lebendig ist - auch wenn es baulich gesehen eher mordern zusammengeflickt als organisch gewachsen ist. Unsere Aufnahmeorganisation, Concordia, ist die größte französische Jugendorganisation für den internationalen Austausch und hat hier in St. Caprias die Niederlassung für die Region Aquitanien - Concordia Aquitaine. Dort arbeiten Anna, Pierre, Gaelle und Ludo, die für uns organisatorisch Verantwortlich sind. Concordia selbst veranstaltet hauptsächlich internationale Workcamps hier in Frankreich, von denen etwa 30 im Jahr hier in Aquitanien stattfinden. Wir selbst, Teilnehmer im Europäischen Freiwilligendienst, arbeiten über die neun Monate der Haup-Projektzeit alledings nicht für Concordia, sondern für die lokalen Einrichtungen hier am Ort: Die Bibliothek, eine Ganztagsbetreuung vor und nach der Schule, ein Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche (man muss wissen, dass hier Mittwochs keine Schule ist) und einen Kinder-Stadtrat. Während der ersten Woche haben wir ein bisschen in die verschiedenen Einrichtungen reingeschnuppert und ansonsten superviele Leute kennen gelernt - die alle äußerst aufgeschlossen und freundlich sind: So durften wir bereits den Bürgermeister kennenlernen, der uns gleich zum Mittagessen eingeladen hat, die entsprechenden Verantwortlichen in den einzelnen Einrichtungen, ungefähr 20 Mitarbeiter der lokalen Verwaltunge und natürlich alle Freunde von Concordia. Concordia ist hier wie eine kleine Familie, der viele Menschen aus der Region angehören, die ähnlich denken: FairTrade-Shop und Freiwlligenarbeit seien da nur einige Stichworte. Victorija und ich wohnen in einem Haus, das Concordia von der Verwaltung angemietet hat und auch als Unterbringung für viele Kurz-Gästebenutzt: Animateure, die vorbeischauen, Freunde aus anderen Regionen, ein Freiwilliger, der hier am Ort Concordias neuen Besitz renoviert, bleibt sogar für einen Monat. Darüber hinaus findet nächste Woche auch ein richtiges Workcamp statt, das komplett in unserem Haus untergebracht wird - etwa 12 Personen - man sollte sich das ganze aber bitte nicht zu groß vorstellen!! Hier sind wir jetzt erstmal mit den Dingen des Alltags beschäftigt: Gemeinsam zu kochen und zu wirtschaften, ohne sich groß zu kennen ist gar nicht so einfach, wie man sich vorstellt. Um das Geld brauchen wir uns meines Erachtens allerdings keine großen Sorgen zu machen, die EU stattet uns mit einem kleinen Taschengeld und Essensgeld aus, das eigentlich gut ausreichen sollte. Insgesamt ist unser aktueller Wohnsitz aber trotzdem ein bischen abgeschieden, was aber ab November behoben sein sollte, da wir dann in das Haus umziehen, in dem sich bereits im Moment die Büros von Concordia befinden und das im Moment renoviert wird. Was uns natürlich am Meisten beschäftigt, ist der Umgang mit der französischen Sprache. Anna von Concordia ist zwar gebürtige Engländerin und von daher für den Notfall auchmal zur Hilfe zu holen, im Alltag aber wurden wir sofort mit bestem Französisch konfrontiert - was unglaublich müde macht. Ich selbst hätte das nie erwartet, aber es macht unglaublich müde, den ganzen Tag eine fremde Sprache um sich herum zu haben, die man zu verstehen versucht. Wir sind entsprechend immer mit Lexikon ausgerüstet, um das ein oder andere und wahrscheinlich auch das nächste Wort herauszusuchen - z.B. das für Schnupfen, da es mich im Moment voll erwischt hat... Aber auch das wird werden, wenn man ein Jahr hier ist, aber je schneller wir uns flüssig bewegen könne, desto besser klappt die Integration - und ohne die geht es nicht. Entsprechend viel haben wir in der ersten Woche geschlafen, um uns für die vielen Treffen zu wappnen, die gestern in der "Fête des Vendanges" hier in St. Caprais ihren Abschluss für die erste Woche fanden. Heute geht es zum ersten mal nach Bordeaux, doch ich glaube, das ist ein andere Kapitel... Ein Fazit der ersten Woche? Anstrengender, schwieriger, einsamer als ich mir vorgestellt habe, aber auch schöner, aufregender und abwechslungsreicher, als ich es mir vorgestellt habe. Auch wenn wir in St. Caprais nur schlecht ohne Auto nach Bordeaux kommen, sind die Aussichten doch gut, schnell viele Bekanntschaften auch in ganz Frankreich zu machen, viel herumzukommen, zu erleben, viel zu erfahren und sich in den einzelnen Projekten neue Aufgaben zu suchen! Anbei einige Fotos, die eigentlich noch kommentiert werden müssen: | ||||
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