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Studenten auf den Barrikaden: Warum die Hörsaalbesetzer unsere Anerkennung verdient haben.Montag 15. März 2010 00:54 Alter: 2 yrs
Rubrik: Wissen & Gesellschaft
Welcher Bildungsstreik-Typ bist du?
Und, findest du dich wieder? Bist du der Meinung, du hast dir dein Bild schon gemacht? Dann bist du nicht alleine – denn viele haben sich ein Bild gemacht von den Hörsaalbesetzungen im letzten Semester – und viele haben sich entschieden, genervt zu sein, sich teilnahmslos zu verhalten oder sich hinter vorgehaltener Hand über den breit gefächerten Forderungskatalog lustig zu machen. Besonders unter den WiWi-Studenten war angesichts der häufigen Hörsaalverlegungen die Ablehnung groß. Zu Unrecht. Zu Unrecht, denn der Bildungsstreik hat bereits viel bewegt: Alle großen Fernsehkanäle und Zeitungen berichten über die Proteste, Politiker müssen Stellung nehmen – genauso wie auch das Tübinger Rektorat auf die Forderungen reagiert, an vielen Abenden sich dem Gespräch mit den Studierenden im Hörsaal stellt und handelt: Die Prorektorin empfiehlt, 90% der Anwesenheitspflichten abzuschaffen, der Senat beschließt die Einführung einer Zivilklausel, das Wissenschaftsministerium beruft einen Bologna-Reparatur-Kongress ein, die Uni entwickelt ein Konzept für einen 4-jährigen Bachelor mit Mobilitätsfenstern und sogar die Bundesrektorenkonferenz regt sich wieder. Zu Unrecht, denn auch für uns WiWis ist nicht alles in Butter: Natürlich sehen viele WiWis die Blognareform positiv, schließlich wurde bei uns die Prüfungsordnung weitestgehend sauber umgestellt, Auslandssemester sind so beliebt wie an keiner anderen Fakultät, die Anrechnung klappt vergleichweise gut und es gibt nahezu keine Anwesenheitspflichten in unseren Kursen. Außerdem wächst unsere Professorenschaft, während die Studierendenzahlen (gewollt) kontinuierlich sinken. Schließlich eignen sich aber auch gerade die WiWi-Studiengänge besonders gut für die neue Struktur, während ein Bachelor woanders weder anerkannt wird noch berufsqualifizierend ist. Doch auch an unserer Fakultät geht eine inkonsistente Landeshochschulpolitik nicht vorüber:
Wenn also auch nicht alle formulierten Streik-Forderungen der Meinung der Mehrheit entsprechen und einige davon über das eigentliche Thema der Hochschulpolitik hinausgehen – Handlungsbedarf gibt es allemal. Und genau hier hat der Streik-Herbst durch seine ungeahnte Dynamik den Weg für Veränderungen vorbereitet und zum ersten Mal seit vielen Jahren eines gebracht: öffentliche Aufmerksamkeit für die strukturellen Probleme der Hochschulen und die Konsequenzen einer schlecht und zu schnell umgesetzten Reform. Die Anzahl der Artikel und Reportagen, die vielen kompromissbereiten Rektoren und Kultusminister, die Runden Tische, die bereits umgesetzten Forderungen und ein größeres studentisches Mitspracherecht sprechen eine Sprache: Man muss den Bildungsstreik nicht unbedingt unterstützen, geschweige denn alle seine Forderungen. Aber eine differenzierte Auseinandersetzung hat er verdient – und gewiss auch Anerkennung für das Erreichte, das am Ende allen Studierenden zu Gute kommt. | ||||
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